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Programmheft der Evangelischen Erwachsenenbildung

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Papstwahlgedenken – ökumenisch und grenzüberschreitend

Ein feierlicher Festakt im Konzil mit Festvortrag, ein ebenso festlicher Gottesdienst im Münster – so beging die Stadt Konstanz das Papstwahlgedenken, das 1417 mit der Wahl Martin V. zum neuen Papst das mittelalterliche Schisma der Kirche vorerst beendete. Das Besondere an diesem Gedenken war, dass es in bester Weise ökumenisch und grenzüberschreitend gefeiert wurde: Partnerkirchen und Gäste aus der Schweiz, aus Tschechien und aus der Partnerstadt Fontainbleau in Frankreich waren nicht nur geladen, sondern gestalteten aktiv mit. 

Festakt im Konzil
Eine lange Liste von Menschen und viel Prominenz aus den Kirchen und der Politik gab es für den Konstanzer OB Uli Burchardt zu begrüßen, nachdem das Vokalensemble Konstanz unter der Leitung von Münsterkantor Steffen Schreyer „Veni Creator Spiritus“ von Bernd Konrad zur Uraufführung gebracht hatte.
Angereist waren die beiden Bischöfe der großen Konfessionen, Erzbischof Stephan Burger und der Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh, der Nuntius des Papstes Erzbischof Nikola Eterovic samt Kurt Kardinal Koch, sowie zahlreiche andere Vertreter der beiden großen christlichen Konfessionen in Baden sowie einiger kleiner christlichen Kirchen, von den lokalen Kirchen waren der katholische Dekan Mathias Trennert-Helwig und Dekanin Hiltrud Schneider-Cimbal, viele katholische Priester und evangelische Pfarrer anwesend, die badenwürttembergische Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann, der Bundestagsabgeordnete Andreas Jung sowie einige Landtagsabgeordnete.
Abschließend zitierte Burchardt eine Inschrift am Konzilsgebäude aus dem 16. Jh., die die Stadt auch heute noch als Auftrag verstehe: „Dies ist das Hus des Friedens und der Vereinigung.“

Kirche und Staat
Kultusministerin Susanne Eisenmann nahm gegen Kritiker von Feierlichkeiten zu Jubiläen als Rückschau, die von aktuellen Problemen ablenkten den Standpunkt ein, dass wir, indem wir uns erinnerten, auch Perspektiven für die Zukunft schaffen könnten. „Es ist Ausdruck von kultureller Kompetenz, sich mit der eigenen Geschichte zu befassen.“ Das Konzilsereignis nahm sie auch zum Anlass, das Verhältnis zwischen Staat und Kirche zu thematisieren. „Wir können froh sein, dass das Verhältnis zwischen Staat und Kirche wesentlich besser ist als damals. Insbesondere im Bereich der Werteerziehung pflegen wir eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.“ Was können wir lernen von damals?“, fragte die 52-jährige Germanistin und Politikwissenschaftlerin, die ihre Studien mit einer Dissertation in Philosophie abgeschlossen hatte. „Man darf Macht nicht mit Autorität verwechseln. Politische Autorität kommt von innen und erwächst aus Wahrhaftigkeit, Verantwortung und aus Respekt vor der übertragenen Aufgabe.“

In seinem Festvortrag hielt Kurt Kardinal Koch (*1950) eine historischen Rückblick und versuchte sich in einer konfessionsgeschichtlichen Einordnung des Ereignisses und sprach von der Zeit dreier Päpste als „trinita non benedicta“. Nach mehr als 40 Jahren habe mit der Wahl Martin V. 1417 das Schisma überwunden werden können und die Kirche wieder ein legitimes Haupt gehabt. Mit dem Konstanzer Konzil sei die Frage aufgekommen, ob der Papst über dem Konzil stehe oder das Konzil über dem Papst. Den Bogen zum heutigen Verhältnis der Konfessionen schlagend, konstatierte er: „Das Papstamt ist eines der wichtigsten Probleme der Ökumene“, und fügte selbstkritisch hinzu: „Die katholische Kirche muss sich eingestehen, dass sie noch nicht das Maß an Synodalität entwickelt hat, das für die Ökumene notwendig ist.“ Mit der Reformation sei ein anderer Typ von Kirche wirksam geworden, der den universalen Aspekt von Kirche zugunsten der Kirche in der Gemeinde vor Ort in den Hintergrund gerückt habe. Er legte dar, wie seit Johannes Paul II. ein neues Verständnis des Papstamtes sich stetig weiterentwickelt habe und nannte die Vision eines Hirten, der den „Vorsitz in der Liebe“ einnehme, nicht nur über der Kirche stehe, sondern auch in ihr. Das Primat der Liebe sei dabei im eucharistischen Sinne zu verstehen. So erweise sich der Papst als Bindeglied der Katholizität.

In einer farbenprächtigen Prozession zog die Festgemeinde vom Konzil zum Münster. Nach den Fahnenschwingern folgten etwa 150 bis 200 Ministranten, Kinder und Jugendliche, die aus der ganzen Region, auch von der Höri und sogar aus Markdorf eigens angereist waren. Dahinter folgten die Schuldekane beider Konfessionen, Pfarrer, Priester, auch aus der Schweiz und aus Tschechien, Pastoralreferentinnen und Diakone, Nonnen, Bischöfe und der Kardinal sowie Gäste aus dem In- und Ausland.  Ein i-Tüpfelchen war die Anwesenheit eines Vertreters der European Christian Convention. Eine Delegation dieser Organisation tagt derzeit in Konstanz, um einen europäischen Kirchentag vorzubereiten.

Ein wahrhaft ökumenischer Festgottesdienst
Gleich zu Beginn des Gottesdienstes wurde dessen besonderer ökumenischer Charakter quasi nonverbal deutlich: Mit „Mache dich auf, werde Licht“ von Felix Mendelsohn-Bartholdy erklang in einer katholischen Kirche das Werk eines Komponisten, der nicht nur im 19. Jahrhundert den Großmeister geistlicher christlicher Musik Johann Sebastian Bach wiederentdeckt hatte, sondern der auch vom jüdischen zum evangelischen Glauben konvertiert war.

Ökumene der Demut – Ökumene des Muts
Der ökumenische Charakter zog sich durch den gesamten feierlichen Gottesdienst. Während der katholische Erzbischof Stephan Burger sich in seinen Begrüßungsworten ermutigte zu einem Nachdenken über den weiteren Weg des ökumenischen Miteinanders , betete er nach dem Gemeindelied  „Lobe den Herren“ für die Einheit der Kirche.
Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh sprach in seiner Predigt zu Petrus im Gespräch mit Jesus, der ihm ans Herz legt „Weide meine Schafe!“ von einer „Ökumene der Demut“ und hinsichtlich der Zukunft, in der eine „Ökumene des Mutes“ notwendig sein werde.
Als wolle die Festgemeinde dies bekräftigen erklang danach kraftvoll und vielstimmig im vollbesetzen Münster das Glaubensbekenntnis und auch das Vaterunser.

Launig wurde das Schlusswort von Dekan Mathias Trennert-Helwig, der zwei Kulturschaffenden besonders dankte: dem Komponisten Bernd Konrad, der eigens zu diesem Gedenken Musik komponiert hatte, die im Gottesdienst vom Münsterchor, dem Vokalensemble und dem Männerchor unter Leitung von Steffen Schreyer zur Uraufführung gelangte, und weiter dem Mundartdichter Bruno Epple, der diesem Gedenktag besondere Verse gewidmet hatte.

Ein weiteres Zeichen für ökumenisches Miteinander war die etwas durcheinandergeratene Ordnung beim Auszug der Geistlichen, die aber keinen wirklich störte. Im Gegenteil - zu sehen waren überwiegend lächelnde und entspannte Mienen.
Papstwahlgedenken in Konstanz 2017 – ein ermutigendes Ereignis für alle Christen in der Ökumene.

Minne Bley


Andacht November 2017

zu Ezechiel 37, 27 von

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