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Programmheft der Evangelischen Erwachsenenbildung

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Andacht Oktober 2017

zu Lukas 15, 10 von

„Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“ Lk 15, 10

Können Sie noch glauben, ein Sünder zu sein, der der Erlösung bedarf?
Vielen fällt es schwer, heute noch von „Sünde“ zu sprechen. „Die Moderne hat das Sündenbewusstsein abgeschafft und aus Sündern Patienten gemacht“ (Nobert Bolz). Lieber reden wir von „Schuld“. Das klingt, so meinen wir, nicht mehr so hart. Aber „Schuld“ meint etwas Anderes als „Sünde“. Schuldig werden Menschen in verschiedenem Maße. So kann man sich selbst oder auch andere beschuldigen oder entschuldigen. Doch von der Sünde befreien, Sünde vergeben, d.h. nicht mehr wirken und gelten lassen - das vermag nur Gott allein (Psalm 51,9). Die Bibel meint mit "Sünde" daher nicht nur eine moralische Übertretung, nicht bloß eine Untat, sondern eine Übermacht, die wir Menschen nicht beherrschen können. Wäre Sünde nur Tat des Menschen, dann wäre auch Erlösung nur Tat des Menschen. Die Sünde ist nach Martin Luther aber ein „Gefängnis“, etwas, das den Menschen einschließt und was nur von außen, nicht von innen aufgeschlossen werden kann. Sündersein oder nicht Nicht-Sündersein sind daher keine freien Möglichkeiten, die ich mir aussuchen könnte. Sündersein ist vielmehr ein Grundgesetz unserer menschlichen Existenz. Sünde ist die Verfehlung der Bestimmung des Menschen zur Gottesgemeinschaft. Der Mensch will nicht mehr mit Gott sein, sondern „sein wie Gott“ (1 Mose 3,5). Sünde ist der Wunsch des Menschen, sich aus eigener Anstrengung im Dasein zu halten, der Wille, aus eigener Kraft vor Gott zu bestehen. Der erste Schritt zum Glauben ist daher die Einsicht, dass ich Sünder bin. Ich bin so verstrickt in die Sünde, dass ich ganz auf Gottes rettendes und befreiendes Handeln angewiesen bin.
Dietrich Bonhoeffer schreibt dazu in seiner lesenswerten Monografie „Gemeinsames Leben“:
„Es ist aber die Gnade des Evangeliums, die für den Frommen so schwer zu begreifen ist, daß es uns in die Wahrheit stellt und sagt: du bist ein Sünder, ein großer heilloser Sünder und nun komm als dieser Sünder, der du bist, zu deinem Gott, der dich liebt. Er will dich so, wie du bist, er will nicht irgend etwas von dir, ein Opfer, ein Werk, sondern er will allein dich. "Gib mir, mein Sohn, dein Herz" (Sprüche 23, 26). Gott ist zu dir gekommen, um den Sünder selig zu machen. Freue dich! Diese Botschaft ist Befreiung durch Wahrheit. Vor Gott kannst du dich nicht verbergen. Vor ihm nützt die Maske nichts, die du vor den Menschen trägst. Er will dich sehen wie du bist, und er will dir gnädig sein. Du brauchst dich selbst und deinen Bruder nicht mehr zu belügen, als wärest du ohne Sünde, du darfst ein Sünder sein, danke Gott dafür; denn er liebt den Sünder, aber er haßt die Sünde.“

Ihr Pfarrer Thomas Michael Kiesebrink,Aach-Volkertshausen

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