„Kamerun braucht unser Gebet und unsere Unterstützung“

Stellungnahme von Landesbischof Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh

Wir gedenken in dieser Woche des Endes des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren. Als Verantwortliche in Kirchen und Religionen wollen wir am 11. November mit unserer gemeinsamen deutsch-französischen Erklärung von Christen verschiedener Konfessionen, von Juden, Muslimen und Buddhisten beiderseits des Rheins am Sonntag auf der Passerelle zwischen Kehl und Straßburg deutlich machen, dass Krieg nach Gottes Willen nicht sein soll – und wir die Verantwortung dafür tragen, dies in konkrete politische Schritte umzusetzen.

Die Lage in Kamerun ist eng mit dem verknüpft, was vor 100 Jahren in Europa geschah: Nach dem Ende des deutschen Kolonialreichs übernahmen Großbritannien und Frankreich die Verwaltung der ehemals deutschen Kolonie. In einer Volksabstimmung 1961 schloss sich ein Teil der anglofonen Gebiete Nigeria an, der andere Kamerun - unter der Bedingung, das britische Erb-, Schul- und Justizsystem fortführen zu dürfen. Kamerun gab sich damals ein föderales System. Doch seit 1972 wird das Land zentralistisch regiert.

Bereits im Herbst 2016 berichteten unsere Geschwister aus der Presbyterian Church in Cameroon von immer stärkeren Benachteiligungen. Demonstrationen seien teilweise brutal beendet, Lehrer inhaftiert worden. Eine separatistische Widerstandsgruppe, die bereit war, mit Gewalt gegen die Regierungstruppen vorzugehen, die so genannten Ambaboys, bekämen immer mehr Zulauf. Wo diese aktiv sind, habe dies verheerende Konsequenzen. Bei seinem Besuch im Frühjahr dieses Jahres bestätigte uns Moderator Fonki, was auch unsere badischen Partnergemeinden aus den Kirchenbezirken Markgräflerland, Breisgau-Hochschwarzwald, Überlingen-Stockach und Konstanz bereits erfahren hatten: Ganze Dörfer wurden nach einem Angriff auf eine Polizeistation niedergebrannt. Inzwischen sind laut Vereinten Nationen weit mehr als 250.000 Menschen auf der Flucht und Hunderte zu Tode gekommen. Am Sonntag, 11. November, ist nicht nur der Tag unserer deutsch-französischen Friedenserklärung der Religionen.

Am Sonntag ist auch der jährliche Tag der Presbyterian Church in Cameroon. Bruder Fonki hat mir seine Rede vorab zukommen lassen. Seine Rede ist eine starke Friedenserklärung. Mitten im Bürgerkrieg, angesichts vertriebener und getöteter Pfarrer und Gemeindemitglieder ruft er seine Kirche zur Nachfolge Jesu auf, der uns Feindesliebe gelehrt hat. Diese Feindesliebe solle allen Christen ein Vorbild sein. 

Im Namen der Kirchenleitung verurteilt Moderator Fonki die Einschüchterungen und Morde durch die Separatisten und das Militär gleichermaßen. Er verurteilt die Gewalt gegen Unbewaffnete in den Krisenregionen, die Angriffe auf Bildungseinrichtungen und dass Kinder gehindert daran werden zur Schule zu gehen. Er ruft die Zentralregierung auf, einen Friedensplan auszuarbeiten, der die Konflikte lösen kann und auch die wahren Ursachen mit berücksichtigt. Die Diaspora, also Kameruner in Amerika und Europa, ruft er dazu auf, nicht mit „hate speech“ die Gewalt noch weiter anzufachen. Die Christen der PCC ruft er auf zu beten und genauso bürgerschaftliche Verantwortung zu übernehmen und jegliche Gewalt abzulehnen.

All das ist auch unsere Überzeugung hier in Europa. Doch wieviel einfacher ist es, dies zu vertreten in Zeiten des Friedens. Kamerun braucht unser Gebet und unsere Unterstützung. Wir sind dankbar für die Initiativen der südbadischen Kirchenbezirke, die z.B. im Bezirk Breisgau-Hochschwarzwald alle Bundestagsabgeordneten angeschrieben und über die Lage in Kamerun informiert haben. Wir bitten die Gemeinden, am kommenden Sonntag für Frieden in Kamerun zu beten. Wir bitten um Spenden für das Nothilfeprojekt in Kamerun von Mission 21, ein Verbund von Kirchen, in dem sich auch die Evangelische Landeskirche in Baden engagiert. Es unterstützt die PCC, die sich weiter in den derzeit ruhigen Regionen im Bildungsbereich und im Gesundheitswesen engagiert, auch, um die vielen Binnenflüchtlinge zu versorgen, die ohne Obdach sind. Es gibt Kinder auf der Flucht, die schon seit zwei Jahren keine Schule mehr besuchen können. Ihnen ist damit auch der Zugang zu Abschlussprüfungen und so zur Universität verwehrt. Sie verlieren die Perspektive, wenn ihnen nicht geholfen wird.

Fürbittgebet für die Situation in Kamerun

Allmächtiger, barmherziger Gott! Heute bringen wir die Not unserer Schwestern und Brüder in Kamerun vor dich.

Wir sind dankbar, dass die Schüler und Schülerinnen aus Bamenda wieder in Freiheit sind. Wir bitten für den Schulleiter und die anderen noch verschleppten, dass sie bald gesund zu ihren Familien und an ihre Schule zurückkehren können. Wir denken an alle, die unter der Gewalt in Kamerun leiden. Wir denken an die vielen, die ihr Hab und Gut verloren haben und auf der Flucht sind.

Wir bitten für die Verantwortlichen in unserer Partnerkirche, der Presbyterian Church in Cameroon, dass sie nicht nachlassen zusammen mit den anderen Kirchen für den Frieden und das Wohlergehen der Menschen einzutreten.

Wir bitten dich für alle Verantwortlichen in Kamerun, dass sie endlich den Dialog suchen, der notwendig ist, damit wieder Frieden einkehren kann. Amen  

 

Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh – Landesbischof

 

Textquelle: www.ekiba.de / Landeskirche und Gemeinden -> Landesbischof -> Texte

 

Weiteres Material:

Rede von Moderator Fonki zum 11. November 2018

Interview von Eberhard Deusch zur Lage in Kamerun

Nothilfeprojekt von Mission 21

Kamerunpartnerschaft mit Donga-Mantung

Andacht Dezember 2018 / 2

zu Matthäus 2,10

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