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Andacht November 2017

zu Ezechiel 37, 27 von

Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.
Ezechiel 37, 27

 
Vorausgesetzt, wir glauben an Gott – wo finden wir ihn dann?

Gott macht es uns ja nicht gerade einfach. Mit unseren sieben Sinnen lässt er sich nicht so erfassen, wie alles andere, was da ist. Wenn wir mit Jesus beten: „Vater unser im Himmel …“, dann knüpfen wir an eine alte Tradition an, mit der man sich den Aufenthaltsort Gottes in der Sphäre über den Wolken vorgestellt hatte; dort, wo man (noch) nichts erforschen konnte. Dort war Gott zwar außerhalb der Welt, die sich uns erschließt, doch nahe genug, um in der Welt alles sehen und eingreifen zu können.

Heute wissen wir, dass sich über den Wolken der Weltraum erstreckt und glauben, dass Gottes Schöpfung sich weiter ausdehnt über unzählige Sonnensysteme und Milchstraßen bis an einen (noch) undefinierten Rand. Sollen wir uns den Aufenthaltsort Gottes heute „dahinter“ vorstellen?

Suchen wir auf diese Weise Gott außerhalb unseres Universums,  entsteht die Vorstellung eines fernen Gottes. Wer fern von uns ist, zu dem müssen weite Wege überbrückt werden. Um Gott zu erreichen,  betete man im alten Israel in bestimmten Ritualen an bestimmten Orten. Dann, so glaubte man, kommt Gott der Welt ein Stück entgegen und ist für die Menschen zu erreichen.  

Da war es eine befreiende neue Sicht, was der Profet Ezechiel verkündete: „Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen.“ Das bedeutet: Gott ist genau da, wo wir sind. Gott ist mir so nah wie meine Familie und meine Nachbarn. Ich brauche keine Vermittlung und keine günstigen Umstände. Gott ist jederzeit und überall da und erreichbar.

Wie tröstlich für uns, wenn wir uns daran halten können: Gott ist da, ohne dass ich etwas dafür tun muss. Gott ist so nah, dass er auch für mich da ist. Jesus begann ganz in diesem Sinn seine Verkündigung mit den Worten: „Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen!“ (Mk 1, 15a) Mit anderen Worten: „Rechnet mit Gott in unserer Gegenwart und in eurem Leben!“

Für viele reibt sich diese Verkündigung damit, wie sie die Realität erleben und deuten. Wenn Gott der ist, der mitten unter uns „da ist“, und wenn Gott Liebe, Frieden und Gerechtigkeit verkörpert – warum gibt es dann doch so viel Böses und Schlimmes in der Welt?  

Wenn wir es uns damit nicht nur einfach machen, sondern wirklich eine Antwort finden möchten, sollten wir die Prämisse der obigen Frage untersuchen. Worauf gründet sich die Annahme, dass da, wo Gott ist, alles automatisch gut und gedeihlich verläuft?

Der Profet Ezechiel jedenfalls fährt in seiner Rede so fort: „Ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.“
„Ich will ihr Gott sein“ – das bedeutet nicht, Gott sei unser Wunscherfüller, unser Allesretter oder unser Wohlergehens-Garant. Es heißt vielmehr: Gott ist der, von dem das Leben und die Lebensregeln für sein Volk herkommen; der Ordnungen gesetzt hat, die in seinem Volk zu Liebe, Frieden und Gerechtigkeit führen; der Naturgesetze geschaffen hat, die die Welt erhalten und formen. Leid und Schmerz sind ein Bestandteil der Schöpfung, nicht eine Störung, eine Strafe oder ein Versagen Gottes. Die Glaubensgeschichten, von denen uns die Bibel erzählt, zeigen in verschiedenen Ausformungen, dass Gott auch mitten in Leid und Schmerz da ist und Menschen trägt und tröstet. Selbst Jesus Christus ging als Gottes Sohn durch Leid und Schmerz – es gehörte zu seinem wie zu unserem Leben, und es brachte ihn nicht ab von Gott.

Die Verkündigung des Profeten Ezechiel geht jedoch noch einen Halbsatz weiter, der unbedingt mit dazu gehört: „Ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.“ Die Zuwendung Gottes ist eine Beziehung auf Gegenseitigkeit. Wenn Gott mein Gott ist und ich Teil der Menschen bin, die zu ihm gehören, dann höre ich auf seine Weisungen, dann richte ich mich nach seinem Willen, dann tue ich nach besten Kräften das was seine Botschaft mir sagt, dann stelle ich mein persönliches Wirken und Wollen in den weiten Horizont den er eröffnet.

Wenn wir auf diese Weise unser Vertrauen auf Gott setzen und unseren Glauben an Gott mit Leben füllen, können wir erfahren, dass Gott mitten unter uns da ist und „unter uns wohnt“ -  in der Liebe, mit der wir uns begegnen; in der Hilfe, mit der wir füreinander da sind, in der Hoffnung, die uns immer wieder aufrichtet; in der Kraft, mit der wir schwere Zeiten durchstehen; in der Geborgenheit, in der wir unser Leben bei Gott gut aufgehoben wissen.   

Ihre Pfarrerin Christine Holtzhausen
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