Andacht Januar 2019

zu Genesis 9,13

„Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde“ (Genesis 9,13)

In der Nacht zum 1. Januar war es wieder soweit. Unzählige Menschen dieser Welt standen draußen in der dunklen Nacht und warteten ungeduldig darauf, dass der Sekundenzeiger den Jahreswechsel einläutet. 10, 9, 8, 7….frohes, neues Jahr! Um Punkt 0 Uhr umarmten sich viele Menschen, um sich gegenseitig diesen guten Wunsch zuzusprechen. Möge es ein gutes, schönes Jahr für dich werden, das gerade erst begonnen hat.

Und dann ein paar Augenblicke später, der Blick in den Himmel. Leuchtende Raketen, die die Dunkelheit durchbrechen und innehalten lassen.

Dieser Blick in den Himmel, ist für mich persönlich ein sehr besonderer Moment, in dem ich mich an das gerade erst vergangene Jahr zurückerinnere, an das, was mich erfüllt hat, an Situationen, in denen ich richtig glücklich war, aber auch an Zeiten, die mich im letzten Jahr herausgefordert haben, in denen es schwer war. Es ist die Stunde 0 und neben diesen Erinnerungen an das Jahr 2018, denke ich, während ich den bunten Funken am Himmel zusehe, an das, was vielleicht im Jahr 2019 kommen wird. Wie wird es werden, dieses neue Jahr? Welche Erfahrungen werde ich machen? Welche schönen Zeiten werden auf mich warten und auf die Menschen, die gerade neben mir den Blick in den Himmel richten und wo wird es vielleicht auch schwierig für uns werden?

Ich stelle mir vor, dass es Noah aus der Erzählung in Genesis 9 vielleicht ganz ähnlich ging, als er den ersten Schritt aus der Arche tut und wieder festen Boden unter den Füßen spürt.  

Eine lange Zeit in der Arche liegt hinter ihm, seiner Familie und allen, die mit dabei waren. Ich stelle mir vor, wie Noah in Gedanken noch einmal all das Revue passieren lässt: Den großen Regen und die Angst in dieser unsicheren Lage. Daneben Momente der Zuversicht, dass sich alles hoffentlich zum Guten wenden wird. Die wiederholte Hoffnung, als Noah die Taube fliegen lässt. Dazwischen immer wieder das Hadern und Zweifeln, wie diese Reise wohl endet. Vielleicht auch die Frage nach Gott, wo er in all dem eigentlich zu finden ist.

Und dann ist es endlich soweit. 10, 9, 8, 7… Die Stunde 0. Alles wieder auf Anfang. Der erste Schritt aus der Arche und das neue Leben liegt vor ihnen. Was wird da draußen auf sie warten? Welche Schwierigkeiten werden sie in der Zukunft meistern müssen? Wie wird es sein, wenn sie die ersten Feste feiern, miteinander lachen und tanzen. Welche traurigen Erfahrungen werden sie machen und miteinander weinen?

In diesen Neuanfang hinein sagt Gott:

„Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde“ (Genesis 9,13)

Der Regenbogen, Gottes Zeichen, lenkt Noahs Blick in Richtung Himmel. Es ist Gottes Zusage, dass er das Leben, das uns erwartet, umspannt. Dass in all dem, was kommen mag Gott mit dabei ist mit seinem Segen.

Noahs Weg wird weitergehen. Es wird kein rosarotes Leben sein. Viel Arbeit wartet auf ihn. So manche Herausforderungen werden sie bewältigen müssen. Daneben aber auch viele glückliche Momente haben. Beides gehört zum Leben dazu. Und in Beidem wird Gott sie mit seinem Segen begleiten.

Und bei uns? Wie wird es für uns sein, dieses neue Jahr 2019? Die ersten Schritte haben wir schon getan in dieses neue Jahr hinein. Und wahrscheinlich ahnen wir, dass es auch bei uns nicht nur die unbeschwerten, fröhlichen Augenblicke gibt. Sicher wird auch das Jahr 2019 den ein oder anderen Stolperstein für uns bereit halten oder Wegstrecken, die nicht leicht zu gehen sind. In Beidem will Gott unser Leben mit seinem Segen umspannen, wie ein Regenbogen, der zwischen Regen und Sonne die Erde umspannt.

Möge diese Zusage Gottes uns Kraft geben für alle Höhen und Tiefen des Lebens. Möge Gottes Segen uns die Zuversicht schenken, mutig Schritt für Schritt zu wagen, hinein ins neue Jahr!

Krankenhausseelsorgerin, Louisa Mallig