Andacht Februar

zu Römer 8,18

Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.
Röm 8,18

Auf dem Kinderspielplatz habe ich einmal folgendes beobachtet. Ein dicker, schwerer Junge und ein kleines, leichtes Mädchen wollten miteinander schaukeln. Aber es ging nicht. Der Junge klebte am Boden fest und das Mädchen hing in der Luft. Es bekam kein Gewicht auf die Erde. Das Mädchen weinte. Der Junge auch. Denn er wollte endlich mal schweben. Bis ein anderes Mädchen zu Hilfe kam. Es kletterte bei dem Jungen auf die Schaukel. Und vorsichtig balancierte es auf dem Mittelbalken der Schaukel hinüber bis zu dem kleinen Mädchen. Als sie über die Mitte ging, bewegte sich endlich die Schaukel, das Mädchen kam wieder auf die Erde, der Junge konnte endlich schweben. So konnten sie gemeinsam schaukeln. Und wenn sich noch mehr kleine Mädchen daraufgesetzt hätten, wären sie schwerer als der große, dicke Junge gewesen. So ähnlich stelle ich es mir mit dem Leiden dieser Zeit auf der einen Seite und dem Versprechen Gottes auf der anderen Seite vor. Das Leiden wiegt schwer. Aber wenn viele es wagen, hinüber zu balancieren und auf die andere Seite zu gehen, dann hängt plötzlich das Leiden in der Luft.  Es wird leicht. Und das, was Gott versprochen hat, seine Herrlichkeit wiegt schwer.

Das Leid wird in der Bibel nicht verharmlost, nicht retuschiert, nicht geleugnet. Aber Paulus benutzt das Bild von einer Waage. All das Leid wird in die eine Waagschale gepackt. Das Leid der Frau, deren einzige Tochter gestorben ist. Das Leid der Menschen, die durch Erdbeben und Tsunami alles verloren haben. Und das Leiden der Schöpfung, der Tiere und Pflanzen unter Hitze und Wassermangel wegen des Klimawandels. Und die Waagschale wiegt wirklich schwer. Aber in die andere Waagschale da packen wir das, was Gott verspricht. Die Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Und es ist so: Diese Waagschale ist noch schwerer. Die Schale des Leides, bisher zu Boden gedrückt, hebt sich. Eine Erfindung? Paulus sagt: Nein.

Paulus sieht überall Möglichkeiten für uns, Gewichte zu verlagern. Zwei kleine Mädchen sind schwerer als ein großer Junge. Freundschaft und Zuneigung halten eine trauernde Mutter am Leben. Ein „Ökumenischer Tag der Schöpfung“ sensibilisiert das Bewusstsein von Christen.

Alles kleine Hoffnungszeichen, so leicht wie Schneeflocken. Aber viele kleine Schneeflocken können einen Ast zum Einstürzen bringen. Oder eine Schaukel zum Umkippen.