Monatsandacht August 2020

"Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.“

Psalm 139, 14

Spötter haben darauf hingewiesen: In einer durchschnittlichen Frauenzeitschrift behandeln zehn Seiten das Thema: „Ich bin okay, so wie ich bin“. Weitere zehn Seiten widmen sich dem Thema: „So nehme ich in vier Wochen zehn Kilo ab“. Und dann gibt es noch zehn Seiten mit den leckersten Tortenrezepten…

Ja, was jetzt? Okay, so wie ich bin? Oder doch zehn Kilo zu schwer? Für König David ist die Sache klar: Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin! Ohne Wenn und Aber: Gott hatte einen guten Tag, als er mich ins Leben rief.

Rein technisch ist das absolut richtig. Der Mensch ist ein Meisterwerk. Allein unser Gehirn ist einmalig im Universum: 86 Milliarden Gehirnzellen sind da miteinander verbunden. Verdrahtet sind wir mit 5, 8 Millionen Kilometern Nervenbahnen. Und rund hunderttausend Kilometer Blutgefäße sorgen dafür, dass wir bis in den letzten Winkel mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Das muss man sich mal vor Augen halten: Meine Adern reichen zweieinhalbmal um den Erdball! In der Tat, das trifft auch für mich zu: Gott, wunderbar sind deine Werke!

Und das gilt nicht nur für die technische Seite. Wunderbar ist auch, wie wir alle mit besonderen Gaben ausgestattet sind. Ein freundlicher Charakter, die Gabe der Musikalität, ein Händchen für Gastfreundschaft, technische Fähigkeiten, und so weiter. Und das alles in unendlich vielen Kombinationen. Niemand hat alle Gaben. Aber jeder Mensch hat ganz besondere Talente. Damit sollen wir uns gegenseitig ergänzen. Einander helfen. Und uns gegenseitig erfreuen. Auch hier hat unser Schöpfer wunderbare Ideen gehabt. Doch, das können wir alle sagen: Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin!

Trotzdem haben wir auch alle Gründe, mit uns unzufrieden zu sein. Nicht nur die zehn Kilo zu viel, wenn wir an uns runtersehen. Noch übler sieht es aus, wenn wir in uns hineinhorchen. Da ist das genial konstruierte Gehirn, das sich so viel gefährlichen Unsinn ausdenkt. Die Trägheit, wenn es darum geht, einem Mitmenschen mal was Gutes zu tun. Auch wenn wir wunderbar gemacht sind, wir benehmen uns nicht immer wunderbar. Wir können fies und egoistisch und lieblos sein. Und wir sind es leider auch.

Und noch was trübt die Freude darüber, dass ich wunderbar gemacht bin. Das Wunder ist nicht allzu dauerhaft. Das Gehirn wird mit den Jahren vergesslich. Die Muskeln werden schwächer. Und irgendwann bin ich tot. Wir sind vergänglich. Und das ist gar nicht wunderbar.

Wir sind wunderbar gemacht. Dabei bleibt es. Trotz Macken und Verfallserscheinungen. Die Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Und Gott sieht uns liebevoll an. Er hat uns nicht nur wunderbar geschaffen. Er tut noch mehr Wunder an uns. In Jesus Christus ist er einer von uns geworden. Er ist gekommen, um bei uns alles neu zu machen. Mit seinem Sterben hat Jesus unsere Schuld aus der Welt geschafft. Mit seiner Auferstehung hat er unseren Tod besiegt. Er verspricht uns einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und er verspricht uns persönlich ein neues, ewiges Leben.

Das übertrifft all das, wofür David schon so dankbar war. Wenn wir auf Christus vertrauen, sieht Gott uns ebenso liebevoll an, wie ihn. Wenn wir hier mit ihm leben, dürfen wir für immer bei ihm sein. Weil er uns annimmt, dürfen wir uns auch selbst annehmen. Wenn wir so geliebt sind, dürfen wir uns selbst auch liebevoll ansehen. Gott hat uns wunderbar gemacht. Christus macht uns wunderbar neu. Es bleibt also dabei, trotz allen unseren Defiziten: Wunderbar sind deine Werke!

Pfarrer Thomas Hilsberg

Gedanken zur Tageslosung vom 20.09.2020

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
2.Mose 20,12

Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Ehre.
Römer 15,7

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